Initiative lädt zum Klönen und Boccia-Spiel ein

Am Ende sind es 30 Interessierte, die sich am 07. Juni 2016 zur Aktion "Roßlau rollt - Bunte Kugeln für ein buntes Roßlau" einfinden. Unter die Rotbuche auf dem Anhaltiner Platz sind Menschen aus Aken, Coswig, Köthen und natürlich Roßlau zusammengekommen, um ein Zeichen für Integration und Inklusion zu setzen. Dass dabei die Regeln des Spiels „irgendetwas mit bunten Kugeln und der besten Annäherung“, wie es ein jugendlicher Teilnehmer augenzwinkernd ausdrückte, nicht wirklich geläufig sind, störte dabei genauso wenig, wie eine zeitgleich stattfindende rassistische Kundgebung von Neonazis und Rechtsextremisten.


Noch bevor es so richtig losgeht, kloppen vier Aktive des Akener Willkommensvereins „Wir mit Dir e. V.“ (mehr dazu hier…)  Karten auf dem grünen Rasen. Doch nicht Skat steht im Zentrum der Aufmerksamkeit, sondern das ganz klassische  „Mau, Mau“. Schließlich ergreift Mandy Münch von der noch jungen Initiative BUNTES ROSSLAU das Wort:  „Wir sind heute hier zusammengekommen, um auf spielerische Art und Weise für Integration und Inklusion einzutreten.“ Dazu gehört für sie das Bild einer Gesellschaft, die Minderheiten gleich welcher Couleur Möglichkeiten einer echten Teilhabe und Partizipation einräumt.

Wohl auch deshalb scheint es nicht wichtig, dass die mitgebrachten Boccia-Spiele zunächst auf unverständliche Blicke stoßen, weiß doch niemand so recht, wie das mit den bunten Kugeln wirklich funktioniert. Doch das kann Mandy Münch nicht aus dem Konzept bringen, für sie ist das Symbol der gemeinsamen Aktion entscheidend. Ganz sozialpädagogisch konnotiert, wird deshalb zu Beginn zu einer Kennenlernsequenz eingeladen, die auf gegenseitigen Respekt und Vertrauen basiert. Der geneigte Besucher wird gebeten, sich mit den eigenen  Händen mit anderen zu verknoten und zu verhaken und dann zu  versuchen, sich aus diesem Kuddelmuddel wieder zu befreien. Dafür ist natürlich Teamwork genauso notwendig, wie Strategie und strukturiertes Nachdenken. Diese Botschaft trifft bei den Menschen offensichtlich auf offene Ohren. Schließen sich doch der Aufforderung zur heiteren Verdrehung sowohl alternative Jugendliche, als auch gestandene Mitsiebziger vorbehaltlos an.



Ach so, da war ja noch was mit  bunten Kugeln. Kurzentschlossen wurden die Boccia-Spiele doch noch ausgepackt. Auch wenn die kleine Zielkugel, soviel ließ sich Dank einer hohen Smartphonepopulation auf die Schnelle recherchieren, ob des hohen Grasses nicht immer von der Werferpostion auszumachen war, tat dies dem Spieltrieb keinen Abbruch. Es fanden sogar zwei Partien parallel statt, fast hätte es einer Konferenzschaltung wie in der Fußballbundesliga bedurft. Ein untrügliches Indiz dafür, dass die Leute so richtig Spaß hatten, waren undefinierbare und lautstarke Interjektionen a la „OHHH“ und „AHHH“. Als ein Protagonist tat sich dabei der weithin bekannte Dessauer Protestastronaut (mehr dazu hier…) hervor, der diesmal auf seine Cosplayer-Kluft verzichtete und ganz in schnöder Ziviltracht auflief. Wohl auch besser so, denn mit Helm und Raumanzug lässt sich nicht gut Boccia spielen. Das immer wieder Akteure einer in der Stadt bekannten rechten Jugendclique versuchten durch unflätige Bemerkungen die Aktionsteilnehmer und auch die anwesenden Polizeibeamten zu provozieren, war da nicht mehr als eine Randbemerkung – allerdings eine die nachdenklich macht. Immerhin skandierten in der Roßlauer Waldstraße, eingerahmt zwischen einer Baustelle und genervten Supermarktkunden, zeitgleich ca. 20 Neonazis aus dem militanten Kameradschaftsspektrum und der rechtsextremen NPD ihre hasserfüllten und pathologischen Parolen gegen Flüchtlinge und eine offene und liberale Gesellschaft.



Wie wichtig das Engagement der Initiative BUNTES ROSSLAU ist, zeigt noch eine andere Anekdote. Die Initiative hatte in Roßlauer Kitas einen Malwettbewerb (mehr dazu hier…) ins Leben gerufen. Die entstandenen Exponate zum Thema „Buntes Roßlau“ wurden in einer Filiale der Stadtsparkasse präsentiert. Dort hatten Kunden und Gäste die Möglichkeit, mit Stimmzetteln für das beste Werk zu voten. In der Stimmbox fanden die Initiator_innen auch einen Zettel, auf dem groß eine „88“ prangt. Dieser rechtsextreme Zahlencode steht in der Szene für „Heil Hitler“.


KONTAKT

Initiative BUNTES ROSSLAU
Mandy Münch & Marcus Geiger
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