Wie ein Integrationsflyer gemeinsam mit Geflüchteten entsteht

Viel ist in diesen Tagen von der Notwendigkeit die Rede, integrationsfördernde Maßnahmen der Willkommenskultur nicht am Bedarf vorbei zu planen. Dabei ist es eine Binsenweisheit das dies nur gelingen kann, wenn Geflüchtete und Migrant_innen aktiv einbezogen werden. Das Projekt „Willkommen in Dessau-Roßlau: Wissen, Teilnahme und Stärkung (Empowering)“, umgesetzt vom Multikulturellen Zentrum (mehr dazu hier…) und gefördert und unterstützt von der PARTNERSCHAFT FÜR DEMOKRATE, hat diese Prämisse  berücksichtigt. Viel wichtiger als das eigentliche Projektprodukt, einen mehrsprachigen Integrationsflyer für die Stadt, war deshalb der Weg dorthin.  




Startschuss war am 1. September 2015. Das Projekt richtet sich an Neuzugewanderte in der Stadt Dessau-Roßlau und dient als Plattform, nicht nur um eigene Bedürfnisse zur Integration zu äußern, sondern auch das neue gesellschaftliche System im Gastland mit seinen Erwartungen an die Flüchtlinge kennenzulernen.  Ergo stehen Ziele wie eine soziale Verbindung zwischen den Teilnehmenden oder dem Verständnis und Dialog zwischen Ämtern und Zugewanderten ebenso im Mittelpunkt, wie eine aktive gesellschaftliche Teilhabe.


Teilnehmende bei einem der intensiven Workshops

Um dies anspruchsvolle Agenda in die Praxis umzusetzen, braucht es schon eine prozesshafte Konzeption. Mitte September 2015 fand so ein erstes Sondierungstreffen statt, in dem die 15 Teilnehmenden aus Syrien, Somalia, Iran, Makedonien, Türkei und Eritrea sich nicht nur untereinander kennenlernten sondern bereits ihre eigenen Erfahrungen in der Aufnahmegesellschaft reflektierten, waren die meisten doch schon 6-12 Monaten in der Stadt.

In drei Workshops im Oktober wurde dieser Prozess, u. a. auch begleitet von Integrationslotsen mit und ohne Migrationshintergrund, weiter vertieft.  Die Geflüchteten haben intensiv mitdiskutiert, über ihre eigenen Probleme in Sachen  Integration berichtet aber auch ihre Freude und Dankbarkeit für eine solche Begleitung zum Ausdruck gebracht. Dabei verwundert es kaum, dass von allen Beteiligten die deutsche Sprache als Ankommensfaktor Nummer 1 ausgemacht wurde. Interessant waren dabei vor allem Debatten und Impulse welche Möglichkeit es gibt, auch abseits von Kursen die Sprache alltagstauglich zu testen. Hier die auch nicht ganz neue These: Das gelinkt nur durch Kontakt und Begegnung mit der Aufnahmegesellschaft, ergo den Nachbarn, an der Supermarktkasse oder im Sportverein. Abgerundet wurde diese Projektphase durch umfängliche Informationen zu Komplexen wie Anerkennung der Abschlüsse, Jobsuche, Kultur- und Freizeitmöglichkeiten und die Funktionen der verschiede Ämter.   Vor allem hier waren die Integrationslotsen wirklich Gold wert, konnte sie doch ihre eigenen ersten, manchmal auch unbeholfenen, Gehversuche in der neuen Umgebung reflektieren und so auch Integrationshindernisse benennen, in die die Neuankömmlinge nun nicht mehr hineinstolpern müssen.



Und schließlich im November kam so etwas wird der ultimative Produkttest. Da lag nämlich der Entwurf des Willkommen-Flyers vor und Neuzugewanderte, die erst seit einigen Wochen in der Stadt sind, wurden mit Fragen gelöchert: Könnt Ihr mit den Themen etwas anfangen? Hilft Euch das im Alltag? Fehlt noch etwas auf dem Flyer? Und tatsächlich konnten so noch einige praktische Tipps generiert werden, die bebildert mit selbsterklärenden Piktogrammen, nun auf dem Flyer sind. Zum Beispiel, wie die komplizierte Mülltrennung funktioniert, was es eigentlich mit Ruhestörung auf sich hat oder worin der Unterschied zwischen einem Discounter und einem Supermarkt besteht.



Ein gelungenes Projekt das zeigt, dass der Weg immer noch das beste Ziel ist.


SERVICE
Hier finden Sie den Willkommens-Flyer (download PDF-Datei…).


INFOS /  KONTAKT 
Multikulturelles Zentrum Dessau e.V.
Parkstraße 7
06846 Dessau-Roßlau
Tel: 0340 - 617330
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