TOLERANZ ERLEBEN – KOMPETENZ IM KONFLIKT: Betzavta-Praxis-Workshop im Rahmen der WOCHEN GELEBTER DEMOKRATIE

Jeweils 12 jugendliche Teilnehmer fanden sich in idealer Gruppengröße am 6. November in der 11.Dezember Deutschen Angestellten Akademie (DAA) am Golfplatz und am 11. November im NORDKLUB, dem Kinder- und Jugendfreizeittreff in Dessau Nord ein und waren beeindruckt. Von dem, was sich spielerisch anließ und in der gemeinsamen Betrachtung oft verwirrend war. Je mehr man sich darauf einließ, desto intensiver die Erfahrung bei der praktischen Erprobung der Toleranz und des demokratischen Miteinander im Rahmen der WOCHEN GELEBTER DEMOKRATIE 2015 (mehr dazu hier).

Wann bleiben Unterschiede einfach nur Unterschiede und wann und warum wird ein Unterschied zur Wertung? Wie entstehen Mehrheiten und Minderheiten? Wer bestimmt, was positiv und was negativ ist? Diese Fragen bildeten die Grundlinie des ersten Teils des Workshops, die vom zertifizierten Betzavta-Trainer Konstantin Müller aus Magdeburg versiert und mit großer Nähe und Offenheit durchgeführt wurde. Sie wurden nicht in Form von Vorträgen, sondern durch die teilnehmenden jungen Menschen selbst beantwortet, die sich im Raum aufstellten anhand von Fragen wie: Wer hat wie viele Geschwister? Wer kennt mehr als eine Fremdsprache? Wer hat Migrationserfahrungen? Welche Eltern oder Großeltern kommen von wo anders? Wie findest Du Toleranz? Wie stehst Du zur Demokratie: Bin überzeugt, weiß nicht, bin kritisch … Die Meßlatte ist an einem Ende des Raums „plus“, „sehr“ oder „viele“ und am anderen Ende „minus“, „kritisch“ oder „gar nicht“.

Für eine kreative Irritation sorgte die Anweisung, dass man sich nicht sprachlich verständigen darf. Man mußte also auf anderem Wege herausfinden, wo der zutreffende Platz in der Reihe ist. Das sorgte für rege pantomimische Einlagen und für Lockerheit. Die Positionierung im Raum ist eindeutig. Hier stehe ich und kann (oder will) nicht anders. Und: Stehen hier auch andere oder bin ich allein auf weiter Flur? Das gibt Anlass zu Fragen wie: Warum stehst Du hier und nicht woanders? Interessant auch, dass es Dinge gibt, über die man selbst entscheidet (eigene Einstellungen und Meinungen) und Dinge, die von anderen entschieden wurden oder die einfach so sind (Anzahl der Geschwister, Hintergrund der Eltern und Großeltern). Wie im richtigen Leben halt.

Aber für andere ist es erst mal nur sichtbar, dass man dort steht und danach wird man beurteilt - egal ob man darüber selbst entschieden hat oder nicht. Fremdzuschreibung und Eigenzuschreibung funktioniert eben ganz einfach. Man ist irgendwo positioniert, hat seinen Raum in Bezug auf Andere eingenommen und wird danach beurteilt.

 „Vorurteile sind zunächst vorläufige Urteile. Der Grund, warum man sie braucht, ist ganz einfach: Die Welt ist viel zu komplex als dass man alles im Detail aus eigener Anschauung und gut geprüft kennen könnte. Man braucht aber Orientierung“, so die gemeinsam erarbeitete Einschätzung. In Bezug auf micht treffen andere die Zuschreibungen – in Bezug auf andere mache ich aber das gleiche. Und auch wenn wir auf vorläufige Urteile zurückgreifen, weil wir nicht die ganze Welt selbst prüfen können, dann gibt es dafür doch eine Grenze: Nämlich dann, wenn aus Urteilen Diskriminierung erwächst, wenn Menschen ihre Rechte verwehrt werden, wenn ihnen ihre Art, zu leben, versagt wird. Ob offensichtlich oder versteckt, ob von Einzelnen oder von Gruppen, ob von Minderheiten oder Mehrheiten. Stichworte: Menschenrechte, demokratische Grundrechte, Würde des Menschen, Toleranz. Durchatmen, Pause.

Schließlich Stifte, Din A4-Papier, zwei Kleingruppen, eine Aufgabenstellung: Mal Dir Dein Traumhaus. Kreative Stille, emsiges Überlegen, Malen, verbessern. Man zeigt sich seine Ergebnisse. Was sind die Gemeinsamkeiten, was sind die Unterschiede? Was ist für Dich wichtig oder unverzichtbar? „Ich möchte einen Raum für mich selbst“, äußert eine Mutter. „Meine Kinder haben das, ich nicht. Ich möchte mich auch mal zurückziehen können.“

Nach dem das Ergebnis feststeht, wird wieder gefragt, reflektiert, gemeinsam diskutiert: Was wurde berücksichtigt, was fiel weg? Wer kam zu Wort, wer nicht? Welche Gruppe hat sich durchgesetzt und wie? Zwischendurch wird immer mal wieder gefragt, wie denn nun im Rückschau das gemeinsame Ergebnis bewertet wird. Erstaunlich: Zu Anfang hatten alle ein gutes Gefühl, aber je mehr wir in die Einzelheiten gehen, desto mehr wird deutlich, dass einiges auf der Strecke blieb: Gerechtigtkeit, jeden einzubeziehen, nach Bedürfnissen zu gehen, gemeinsam sich auf ein Vorgehen zu einigen.

 „Da war dieses Gefühl, dass das alle wollen, obwohl keiner darüber gesprochen hat“, meldet sich ein jugendlicher Teilnehmer zu Wort. 

   

 Am Ende des sechsstündigen Betzavta-Workshops steht viel Selbsterkenntnis. Darüber, was Unterschiede, Wertungen und Diskriminierung bedeuten. Darüber, was Fremd- und Selbstbestimmung heißt. Darüber was Integration und was Ausschluss heißt und wie sie sich anfühlen. Darüber, wie demokratische Prozesse – also Prozesse, an denen alle beteiligt sind und wo es kaum Vorgaben von Außen gibt – praktisch ablaufen. Und dass deren Ergebnisse am Anfang gerecht ausschauen können, bei genauerer Betrachtung aber kritisch zu hinterfragen sind. Je mehr Demokratie wir aber leben, je aktiver und wacher wir uns daran beteiligen und je stärker wir unsere eigenen Strategien erkennen, desto größer sind die Chancen, dass wir zu besseren, zu gerechteren Ergebnissen kommen. Demokratie und Toleranz bedingen sich dabei gegenseitig: beide beruhen auf den gleichen Werten, bei beiden ist die Wahrung des Anderen ein hohes Gut – und beide sollen dafür sorgen, dass das Ergebnis den Bedürfnissen der Menschen so nahe wie mögich kommt. Dass das so geschieht, ist unsere ureigenste Aufgabe. Im Spiel wie im Leben.

Das Netzwerk GELEBTE DEMOKRATIE wird weitere Toleranz-Workshops und Betzavta-Trainings organisieren, wenn Interesse besteht: „Je nach Gruppengröße ist mit zwanzig bis dreißig Euro zu rechnen, die jeden Cent wert sind“, so Uwe Schmitter, der im Rahmen der WOCHEN GELEBTER DEMOKRATIE 2015 diese Übungen organisierte und miterlebte.

INFOS/KONTAKT/ANMELDUNGEN

Kinder- und Jugendfreizeittreff NORDKLUB
Uwe Schmitter
Friederikenstr. 1 d
06844 Dessau-Roßlau
Tel: 0340 / 51 67 550
mobil: 0171 632 93 24
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