„Es geht um die Frage wie die Menschen hier ankommen“

Die PARTNERSCHAFT FÜR DEMOKRATIE (PFD) hat in diesem Förderjahr zwei zentrale Schwerpunkte: Aktionen zur Willkommenskultur stärken und Quartiersinitiativen für Bürgerengagement zu unterstützen. Das Projekt TAFELN DER BEGEGNUNG verbindet diese beiden Ansprüche quasi idealtypisch. Da das Konzept zudem mit einem beteiligungsorientierten Ansatz zur proaktiven Einbindung von Flüchtlingen daherkommt und konsequent die Regel: „Nicht FÜR Zugewanderte Ideen entwickeln, sondern MIT ihnen“ verfolgt, ist es nicht nur spannend, sondern gerade jetzt dringend notwendig.

Es ist ein schöner Spätsommertag mitten im Herbst – der 30. September 2015. Deshalb hat sich die Quartiersinitiative „Theater- und Johannisviertel“ kurzer Hand entschlossen, ihren Stammtisch ins Freie zu verlegen. Vor dem Eingang im Vor-Ort-Haus in der Dessauer Wolfgangstraße ist sprichwörtlich eine TAFEL aufgebaut. Es duftet nach Suppe und frischen Snacks. Doch noch wichtiger als die kulinarische Stärkung in der Mittagspause ist den Teilnehmern heute ein anderes Thema. „Die erste Tafel der Begegnung fand schon im Frühjahr 2015 statt. Inzwischen wurde die Idee weiterentwickelt, faktisch  in die Phase 2.0 überführt“, sagt Projektkoordinatorin Claudia Trautmann und erntet dafür zustimmendes Nicken von den anwesenden Kooperationspartner_innen des Vorhabens, u. a. des Anhaltischen Theaters, des Jobcenters und der Dessauer Wohnungsbaugesellschaft (DWG). Was klein, auf Zuruf und eher spontan begann, ist nun strukturierter vorgesehen. 


Projektkoordinatorin Claudia Trautmann stellt das Konzept vor

Denn die drei geplanten Tafeln stehen nicht nur unter einem speziellen Schwerpunktthema, sondern folgen einer konturierten Choreographie. Den Anfang macht dabei die Tafel WOHNSITUATION IM QUARTIER, in der ganz praktische Frage die für ein gemeinsames Zusammenleben von Bedeutung sind, auf der Agenda stehen: "Es geht um die Frage wie die Menschen hier ankommen", sagt Claudia Trautmann dazu. Da ist es nur konsequent, dass als kompetenter Partner die Dessauer Wohnungsbaugesellschaft (DWG) gewonnen werden konnte. Die DWG kann hier ihr jahrelang erworbenes Know How auch und gerade bei der Integration von Flüchtlingen im Wohnumfeld einbringen.


Der Stammtisch der Quartiersinitiative „Theater- und Johannisviertel“ am 30. September 2015 zur Projektvorstellung



In der 2. Ausgabe der Tafeln stehen FREIZEITGESTALTUNG UND GESELLSCHAFTLICHES ENGAGEMENT im Fokus. Was zunächst etwas abstrakt und schwammig klingt wird schon deutlicher, wenn die Zusage des Stadtsportbundes benannt ist. Es geht also darum dass sich die Sportvereine der Stadt vorstellen und auch auf ihre speziellen Angebote für Flüchtlinge und Zugewanderte hinweisen. Auch ganz praktische Herausforderungen werden dabei angepackt zum Beispiel das Problem, wie das mit Spielerpässe- und Zulassungen für Mannschaftsportarten aussieht oder welche Fördermöglichkeiten es für die Mitgliedsbeiträge gibt. Doch gesellschaftliche Teilhabe umfasst nicht nur den Sportbereich, sondern auch den Kulturbetrieb. So verwundert es nicht, dass ein zentraler Akteur der Quartiersinitiative bei dieser Tafel mit am Tisch sitzen wird: Das Anhaltische Theater.


Die PARTNERSCHAFT FÜR DEMOKRATIE präsentierte sich mit Infomaterialien

Und schließlich wird sich die dritte Tafel mit der wohl wichtigsten Ankommenssphäre beschäftigen, steht sie doch unter dem Motto  PERSPEKTIVEN – BERUF UND BILDUNG. Wer heute mit Flüchtlingen und Zugewanderten spricht und von ihnen wissen möchte, was für sie am wichtigsten ist, bekommt unisono eine Antwort: „Job und Ausbildung“.  Das Jobcenter wird sich deshalb hier aktiv einbringen  um über Einstiegsmöglichkeiten im Arbeitsmarkt ebenso berichten, wie über die Anerkennungspraxis von Abschlüssen oder die Teilnahme an berufsvorbereitenden Praktikas.   
Der Charme des Projektes besteht ganz zweifellos zum einen darin, dass es in einer lockeren Atmosphäre - ohne Anspruch einer Fortbildungsveranstaltung - auf eine direkte Begegnung zwischen Geflüchtete und der Aufnahmegesellschaft setzt, und dies sogar noch runtergebrochen auf einen überschaubaren Sozialraum eines Quartiers. Zum anderen ist es aber mehr als gemeinsam Essen, und Trinken. Produziert das Vorhaben doch einen alltagspraktischen Mehrwehrt und die entsprechende Win-Win-Situationen in einem dialogischen Prozess.

 

Umso konsequenter, dass sich die Quartiersinitiative „Theater- und Johannisviertel“ kompetente Fachexpertise von Außen ins Boot geholt hat, kann sie doch nicht überall fit und firm sein. So werden vorhandene Strukturen in der Integrations- und Migrationsarbeit wie die Caritas, der Islamische Kulturverein, die Landesarbeitsgemeinschaft der Migrantenorganisationen Sachsen-Anhat (LAMSA) und die Projektgruppe VIELFALT IM DIALOG im Netzwerk GELEBTE DEMOKRATIE im Projektgeschehen eine aktive Rolle einnehmen. Da hier Kommunikation ein entscheidender Faktor ist besteht zudem der Anspruch, die einzelnen TAFELN durch Sprachmittler_innen zu begleiten. Eine entsprechende Abstimmung mit der St. Johannis GmbH, die mit ihrem Projekt www.sprachlotsen.de über mannigfaltige Erfahrungen verfügt (mehr dazu hier…), läuft auf Hochtouren. Und freilich fällt und steht das Projekt mit einer barrierefreien und vor allem erfolgreichen Ansprache und Teilnehmerakquise bei den Flüchtlingen, die übrigens bereits proaktiv in die Implementierungsphase eingebunden sind.  Ein Erfolgsindikator hier : ein mehrsprachiger Einladungsflyer, der demnächst in den Druck geht.



Und auch in Sachen Nachhaltigkeit wird geklotzt und nicht gekleckert: „Die Tafel werden als Begegnungs-Cafe  im nächsten Jahr als regelmäßiges Angebot im Palais Bose fortgesetzt, weiß Projektkoordinatorin Claudia Trautmann zu berichten.

Zum Schluss bleibt wohl noch ein Zitat eines Stammtischteilnehmers das zeigt, dass nicht alles durch die rosarote Brille betrachtet werden sollte, aber auch kein Grund für das Schüren von irrationalen Überfremdungsszenarien besteht: „ Die Begrüßungsangst ist auf beiden Seiten da, aber ständige Begegnung und Wiederholung macht es besser.“  


SERVICE

Hier finden Sie den sechssprachigen Projektflyer (download PDF-Datei...).

 

 

 

 



INFOS / KONTAKT
Quartiersinitiative Theater- und Johannisviertel
Im VorOrt-Haus
Claudia Trautmann
Wolfgangstrasse 13
06844 Dessau-Roßlau
Telefon: 0173 668 59 21
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
  
 



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