Akteure und Kooperationspartner stellen Programm, Ziele und Motivation der WOCHEN GELEBTER DEMOKRATIE vor

Die Rahmendaten sind schon imposant: 10 Einzelveranstaltungen vom Workshop bis zum Theaterstück, vom Fachvortrag bis zur Filmvorführung. Diese quantitative Analyse sagt freilich noch nichts darüber aus, warum die Macher_innen und Kooperationspartner_innen der  WOCHEN GELEBTER DEMOKRATIE (mehr dazu hier…) die etablierte Veranstaltungsreihe in diesem Jahr ausgerechnet unter das Motto TOLERANZ – VERSTEHEN – LEBEN – ERLEBEN gestellt haben. In einem Hintergrundgespräch  wurden nun diese und andere Fragen aus erster Hand beantwortet.


Die Teilnehmer des Pressegespräches (von r. nach l.): Mika Kaiyama, Dr. Thomas Lunderhausen, Claudia Scharschmidt, Edith Strasburger und Steffen Andersch

„Toleranz hat Tradition, das ist die Deutung die heute in der Stadt vorherrschend ist“, sagt Edith Strasburger und weist auf den Titel eines Interviews mit Dr. Jan Brademann (mehr dazu hier…) hin, der groß auf einem Flachbildschirm prangt. Für die Geschäftsführerin des Offenen Kanals, der zugleich Projektträger der Veranstaltungsreihe ist, ist aber auch der Brückenschlag in die Jetztzeit eine entscheidende Motivation für die WOCHEN GELEBTER DEMOKRATIE: „Wir brauchen nicht nur eine Analyse über ein Privileg wie es damals war. Heute hat Toleranz vielmehr damit zu tun, wie es gelingen kann, Anderen und Fremden einen gesellschaftlichen Zugang in möglichst vielen Bereichen zu ermöglichen.“ Die Inspirationsquelle, sich gerade in diesem Jahr mit dem Thema Toleranz zu beschäftigen, seien dabei schon die Jubiläen „Anhalt 800“ (mehr dazu hier…) und „Dessau 800“ (mehr dazu hier…) gewesen. Gerade in diesen Kampagnen sind Begriffe wie Toleranz und Aufklärung vor allem geschichtlich und damit rückwärtsgewandt markiert: „Das wollen wir im Netzwerk GELEBTE DEMOKRATIE  ändern und die Frage stellen, was wir heute und morgen machen und welchen Prozess wir mit wem beginnen können“, so Edith Strasburger weiter. Die Geschäftsführerin  ist sich indes sicher, dass in den engagierten Vereinen, Initiativen und Institutionen Dessau-Roßlaus dazu jede Menge Potentiale schlummerten und spitzt pointiert zu: „Wir brauchen nicht nur Historiker, sondern breit aufgestellte Akteure, die die Stadt hier weiterbringen. Das ist unsere Inspiration und Vision zugleich.“ Denn schließlich, so ihr Schlussstatement, sei der Begriff „Toleranz“ heute schon sehr belastet und werde auch missbräuchlich verwendet.


Edith Strasburger im Gespräch

„Ich habe schon zweimal die Menschenkette gegen rechts um das Stadtzentrum miterlebt. Diese Spannung und die Ernsthaftigkeit zusammen mit vielen Menschen dazustehen um ein gemeinsames Ziel zu verfolgen, war schon ein erhebendes Gefühl“, sagt Claudia Scharschmidt. Das sei auch die entscheidende Motivation  der Evangelischen Erwachsenbildung Anhalt (EEB) gewesen, sich in 2015 erstmals in das Format WOCHEN GELEBTER DEMOKRATIE einzubringen  – und das gleich mit zwei Veranstaltungen.  Eine davon ist  die Diskussionsrunde „Flüchtlinge sind unter uns: Nächstenliebe – Respekt – Aufgaben“ am07. November 2015 im Dessauer Georgenzentrum. Nun könnte man denken, die EEB habe mit einem Blick in die Glaskugel die dynamischen Entwicklungen der letzten 8 Wochen bei den aktuellen Herausforderungen der Flüchtlingsunterstützung- und Integration bereits vorausgesehen, denn schließlich wurde das Konzept für die Veranstaltung bereits Anfang des Jahres entwickelt. Doch der eigentliche Anlass war die „gesellschaftspolitische Auseinandersetzung mit populistischen und fremdenfeindlichen Bewegungen wie Pegida & Co.“, verrät Claudia Scharschmidt:   „Als Pfarrerin und Christin habe ich eine Verantwortung, hier deutlich Position zu beziehen.“ Und noch eins liegt der Zugezogenen, die erst seit 2 Jahren in Dessau-Roßlau lebt, am Herzen: „Gerade in Dessau ist es wichtig, alte Vorurteile aufzubrechen.“


Claudia Scharschmidt von der Evangelischen Erwachsenbildung Anhalt

„Eine Kooperation mit dem Netzwerk GELEBTE DEMOKRATIE, ja warum erst jetzt?“, sagt Dr. Thomas Lundershausen leicht nonchalant und mit einem Augenzwinkern in die Runde. Der Leiter der Volkshochschule Dessau-Roßlau betont das es gerade für einen etablierten Träger der Erwachsenbildung äußerst wichtig sei, mit zivilgesellschaftlichen Bürgerbündnissen und Netzwerken auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten. Der durchaus  bei Volkshochschulen vorhandene Anspruch, möglichst viele Menschen für den Bereich der politischen Bildung zu interessieren könne demnach nur gelingen wenn Zugänge akquiriert würden, die schon vorhanden sind. „Es ist ja auch nicht das erste Mal, dass wir produktiv und kooperativ zusammenarbeiten“, sagt Thomas Lundershausen und verweist auf das gemeinsame Projekt „Demokratie-Labour“ im April 2015 (mehr dazu hier…). Auch hier spielt der nicht stattgefundene Blick in die Glaskugel durchaus eine Rolle, beteiligt sich doch die VHS zusammen mit dem DRK mit der Veranstaltung „Wege in die neue Heimat“ am 21. Oktober 2015 an den WOCHEN GELEBTE DEMOKRATIE. Auch dieses Vorhaben wurde lange vor den medialen Bildern von Flüchtlingen die in Deutschland in einer neuen Quantität Schutz suchen, geplant. Das Vorhaben im Rahmen von „Wege in die neue Heimat“  ist dabei durchaus ungewöhnlich und ambitioniert, erfahren doch Senior_innen hier mehr über Fluchtgründe, persönliche Schicksalen von Geflüchteten und die aktuelle Situation in der Stadt.


Dr. Thomas Lundershausen steht der Volkshochschule Dessau-Roßlau vor

Zum Schluss schaltet sich noch Mika Kaiyama ein. Die Sprecherin der Projektgruppe VIELFALT IM DIALOG (mehr dazu hier…) im Netzwerk GELEBTE DEMOKRATIE, die hauptamtlich  beim Landesnetzwerk der Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (LAMSA e. V.) unterwegs ist, ist eine der maßgebliche Initiatorin der TOLERANZ-WOCHE. Für sie ist es der erste Aufschlag und ein Versuch, der im brandenburgischen Potsdam sein Vorbild hat. Dort hat die demokratische Bürgergesellschaft sekundiert von Kommunalpolitik, Universität und Verwaltung, erfolgreich die Kampagne „Neues Potsdamer Toleranzedikt - Gemeinsam für eine weltoffene Stadt“ (mehr dazu hier…) ins Leben gerufen. Potsdam hat sich quasi selbst einen solchen Titel verliehen: „Davon sind wir in Dessau-Roßlau noch weit entfernt. Wir begreifen das Ganze als mittelfristigen Prozess und haben unsere Netzwerkkonferenz am 12. November 2015 deshalb nicht umsonst `Debatte & Prozess: Der Weg zur Stadt gelebter Toleranz` genannt“, so Mika Kaiyama. Die Mitstreiterin im Netzwerk hofft indes, das der aktuelle Schwung mit in diesen Prozess genommen werden kann: „Auch wir als Migrantenorganisationen waren überrascht, dass aus den migrantischen Communitys selbst die neuangekommenen Flüchtlinge so herzlich empfangen worden. Das macht uns auch für dieses Projekt Mut.“


Mika Kaiyama fungiert als Sprecherin der Projektgruppe VIELFALT IM DIALOG im Netzwerk GELEBTE DEMOKRATIE



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